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Hessisches Arbeitsgericht (LAG)

Einmalige Fehler eines Bank-Mitarbeiters rechtfertigt noch keine Kündigung

Das Hessische LAG hat am 07.02.2013 entschieden, dass ein Bankangestellter, der bei der Überprüfung von Überweisungsbelegen übersieht, dass ein Kollege versehentlich einen zweistelligen Betrag in einen neunstelligen Betrag geändert hat, dies noch keine Kündigung rechtfertigt, jedenfalls dann, wenn keine vorsätzliche Schädigung des Arbeitgebers oder vorsätzliche Manipulation des Ablaufs vorliegt.

Eine Bankmitarbeiterin war Sachbearbeiterin bei einer Bank beschäftigt und hatte insoweit den Zahlungsverkehr zu überprüfen. Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem die Überprüfung von Überweisungsbelegen und gegebenenfalls deren Korrektur.

Der Bankmitarbeiterin unterlief eines Tages ein Fehler dahingehend, dass ein vorprüfender Arbeitskollege in der Überweisung eines Rentners den eingetragenen Betrag von 62,40 € in 222.222.222,22 € geändert hatte. Dies geschah, nachdem der Kollege, der nicht für die Prüfung des Betragfeldes zuständig war, beim Sekundenschlaf auf die Taste "2" der PC-Tastatur geraten war und diese länger gedrückt hatte.

Durch eine systeminterne Routinekontrolle wurde dann der Fehler bemerkt. Die beklagte Bank kündigte das Arbeitsverhältnis fristlos und hilfsweise fristgerecht.

Das LAG entschied, dass die von der Beklagten ausgesprochene außerordentliche und hilfsweise ordentliche verhaltensbedingte Kündigung unwirksam sei.

Die Bankmitarbeiterin hat die beklagte Bank weder vorsätzlich geschädigt, noch vorsätzlich den Arbeitsablauf manipuliert. Da ihr Arbeitskollege die falsche Eintragung vorgenommen hatte, kann der Bankmitarbeiterin lediglich die unterlassene Kontrolle des Überweisungsträgers vorgeworfen werden. Dies sei zwar ein schwerwiegender Fehler. Die für eine Kündigung aus verhaltensbedingten Gründen notwendige negative Prognose sei aber nach der Abwägung aller Umstände aus Sicht des LAG nicht erkennbar. Daher war es der beklagten Bank zumutbar, vor einer Kündigung zunächst eine Abmahnung auszusprechen.

Auch eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses nach § 9 Abs. 1 S 2 KSchG lehnte das LAG ab, nachdem eine den Betriebszwecken dienliche Zusammenarbeit weiterhin möglich sei.